Dr. F. Holböck, Der Schlüssel zu den Schätzen Gottes

Der Schlüssel zu den Schätzen Gottes
Untertitel: Rosenkränze, Litaneien, Novenen, Kreuzwegandachten
Prälat Univ.-Prof. Dr. F. Holböck
M. Th. Isenegger
Paris-Verlag

Leseprobe:

Jesus an Marie Lataste: "Meine Tochter, das Gebet ist der Schlüssel zu allen Schätzen Gottes. Es erlangt alles von ihm. Alle können beten. Das Gebet paßt für alle Menschen, alle Stände, alle Lagen. Es gibt deshalb so viele Unglückliche, weil die Zahl derer, die beten, sehr beschränkt ist. Bist du in Angst und ohne Hilfe, bete! Gott wird dir die hinreichenden Mittel geben, um bestehen zu können. Nichts ist dem Menschen nützlicher, als ein gut verrichtetes Gebet. Es gibt wenige, die gut zu beten verstehen. Die Kunst des Gebetes ist wenig bekannt und doch ist sie unumgänglich notwendig. Bitte Gott, meine Tochter, um die Gabe des Gebetes! Bitte durch meine Verdienste darum. Mit dieser Gabe (Gebetsgnade) wirst du alle anderen erlangen. Ohne das Gebet kann man nichts; mit dem Gebet kann man alles. Bete, meine Tochter, bete oft, bete immer! Es gibt zwei Arten von Gebet: das mündliche und das innerliche Gebet. Das Gebet des Herzens wird das innerliche Gebet genannt; das des Mundes heißt das mündliche. Das mündliche Gebet sowohl als das innerliche Gebet ist eine Unterredung mit Gott, eine Erhebung der Seele zu ihm. Folglich ist jeder gute Gedanke, jede gute Gesinnung, jedes gute Verlangen, jedes gute Nachdenken, jede gute Betrachtung ein Gebet. Eine der vorzüglichsten Vorbereitungen zum Gebet ist die Losschälung von allen Dingen. Das mündliche Gebet ist bekannter und gebräuchlicher als das innerliche Gebet. Es kann sehr vollkommen sein. Allein nur wenige kennen seine Vollkommenheit. Gott fordert diesen Zoll der Anbetung und des Lobes von der Zunge des Menschen.

Damit das Gebet Gott wohlgefällig sei, muß es mit Glaube, Hoffnung, Liebe, Demut und Beharrlichkeit verrichtet werden. Soll das mündliche Gebet vollkommen sein, so muß ihm, wie dem innerlichen Gebet, die Losschälung von allen Dingen vorausgehen.
Dann ist die Seele frei von jeder irdischen Zuneigung und Anhänglichkeit, die gleich einer eisernen Kette sie hemmen, sich zu Gott zu erheben. Ihr Wort wird gleich einem mächtigen Pfeilschuß, der bis zu Gott aufsteigt und bis zu seinem Herzen dringt. Zuweilen ist die Seele so in Gott vertieft, daß sie weniger die Worte beachtet, die sie ausspricht, als den, an welchen sie gerichtet sind. Das Gebet ist dann nur um so vollkommener. Sie findet bei Gott, der all ihre Bedürfnisse kennt, gütiges Gehör und Erhörung. Das mündliche Gebet ist ebenso mächtig wie das innerliche Gebet."

 (cf)