"I pray it my way"
Morgen- und Abendgebete für Jungendliche

Die etwas andere Gebetserie für die ganze Woche - gesendet in Radio Stephansdom im September 2002 (zur Verfügung gestellt von Markus Muth - Danke!). Gebete für Jungendliche - mit allem, was sie beschäftigt. Und Jesus versteht's!

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Montag

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Morgengebet

Gegenstand: Diskman
Themen: Erwachsene am Montag = Arbeitsbeginn, Musik zum Stimmung Heben

Gott, heute ist wieder Montag. Am liebsten würde ich diesen Tag abschaffen. Alle laufen wieder zur Arbeit und machen so lange Gesichter. Ich meine, man braucht sich ja nur umzuschauen in der Straßenbahn. Ich frage mich, wozu tun sie das überhaupt, wenn es sie nicht freut. Ja, ich weiß schon, das Geld muss ja schließlich auch irgendwie nach Hause gebracht werden.

Aber ich möchte da nicht mitmachen: Ich gebe mir die Stöpsel ins Ohr, schalte den Diskman ein und höre mir gute Musik an; da bin ich gleich in einer anderen Stimmung. Komisch ist nur, dass sie dann manchmal noch grimmiger schauen; anscheinend ist es ihnen zu laut. Dabei könnten sie doch einfach zuhören, dann haben sie auch etwas von meiner guten Musik. Aber das verstehen die nicht.

Irgendwie sind die Menschen arm, die sich an nichts freuen können. Hast du vielleicht eine Idee, wie man das ändern könnte?

Abendgebet

Gegenstand: geschorene und gefärbte Haare
Themen: Kritik der Eltern, Selbständigkeit, Kreativität, Gott als Gesprächspartner

Gott, heute haben meine Eltern einen ziemlichen Schock gekriegt, als ich mit ganz kurz geschorenen Haaren nach Hause gekommen bin. Außerdem habe ich sie in der Mitte ein wenig färben lassen. Das könnte ich nicht machen; und wie ich ausschaue, das sei ja furchtbar; und sie würden sich so genieren mit mir. Dabei sind sie sonst gar nicht so. Sie sagen immer, wie wichtig es ist, dass ich selber Entscheidungen treffe; und dann macht man das – und sie sind dagegen. Na, ja.

Ich weiß nicht, wie du das eigentlich siehst. Ich habe noch nirgends in der Bibel gelesen, dass du irgendwelche besonderen Vorstellungen gehabt hättest, wie die Haare auszusehen haben. Für mich ist das ein Ausdruck von Kreativität. Schließlich tun das ja andere auch: die einen halt mit dem Gewand, die anderen mit der Schminke und ich mit den Haaren. Wo liegt da der Unterschied?

Übrigens: Danke, dass ich dir das alles so sagen kann. Ich glaube, du verstehst mich.

 

Dienstag

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Morgengebet

Gegenstand: rotes Stoffherz
Themen: Liebeserklärung am Morgen, Symbol der Beziehung, Trennung anderer

Gott, stell dir vor, heute Früh habe ich schon ein Sms von meinem Schatz bekommen. Sie hat geschrieben: „Hallo, mein Liebster, hast du gut geschlafen? Ich habe heute von dir geträumt. Ich liebe dich! Küsschen, bis später.“ Jetzt habe ich natürlich sofort zurückgeschrieben. Deswegen bin ich heute ein bisschen später dran mit meinem Morgengebet. Ich hoffe, du bist deswegen nicht böse.

Vorige Woche hat sie mir sogar ein rotes Stoffherz geschenkt, weil wir seit drei Monaten zusammen sind. Das hängt jetzt gleich bei meinem Schreibtisch, sodass ich es immer sehen kann.

Lieber Gott, könnte das nicht immer so sein? Ich meine dieses Glücksgefühl. Mit Jakob und Sandra ist es seit letzter Woche aus, und die beiden sind völlig fertig. Ich glaube, sie haben sich ziemlich weh getan am Schluss. Ich verstehe das alles nicht.

Abendgebet

Gegenstand: Computer
Themen: E-Mail, Bedeutung des Computers, Neo-Nazi-Homepage, Zusammenleben

Gott, ich muss heute unbedingt noch meinem Schatz ein E-Mail schreiben – wegen dem netten Sms heute Früh. Wir haben zwar schon eine Stunde miteinander telefoniert, aber vielleicht liest sie es heute noch.

Ich weiß wirklich nicht, was ich machen würde, wenn ich keinen PC hätte. Ich meine, so ein Computer ist schon ein tolles Ding: Was man da alles machen kann damit! Irgendwie steht einem die ganze Welt zur Verfügung.

Ja, Unsinniges gibt es natürlich auch im Internet. So bin ich unlängst beim Surfen auf eine Neo-Nazi-Homepage gestoßen. Ich kann mir echt nicht vorstellen, wie man so denken kann. Aber selbst bei uns in der Schule gibt es einige, die Kontakte in diese Richtung haben. Dabei denke ich mir immer, dass es doch viel einfacher ist, gut zusammenzuleben als ständig Vorurteile zu haben. Oder liege ich da falsch?

 

Mittwoch

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Morgengebet

Gegenstand: Rucksack
Themen: Schulsachen, Obdachloser, Besitz, Hilfe

Gott, es ist gar nicht so einfach, alle seine Sachen in einem Rucksack unterzubringen: die vielen Schulbücher, verschiedene Mappen. Und an manchen Tagen kommen noch die ganzen Sachen für Turnen oder für Zeichnen dazu.

Kannst du dir vorstellen, was mir unlängst passiert ist: Da habe ich einen Sandler mit genau dem gleichen Rucksack gesehen wie ihn mein bester Freund hat. Und weil ich gerade gut drauf war, habe ich ihn einfach gefragt, wo er den denn her hat. „Gefunden“, hat er gesagt – naja, was immer das heißt. Und auf einmal hat er angefangen zu erzählen, dass er da alles drinnen hat, was er überhaupt besitzt. Da habe ich vielleicht kräftig geschaut. Meine Sachen würden sich in 20 Rucksäcken nicht ausgehen.

Irgendwie muss ich seither immer an diesen Mann denken, wenn ich meine Schulsachen einpacke. Wenn ich nur wüsste, wie man so einem Menschen helfen könnte? Gott, hast du vielleicht eine Idee?

Abendgebet

Gegenstand: Video
Themen: anstrengender Tag, Videoabend, Kritik an Fernsehverhalten, Abhängigkeit

Gott, heute war vielleicht eine Menge los. Ich bin geschafft. Dafür habe ich mir jetzt am Abend einen Videofilm angesehen, den mir die Isabelle geborgt hat. Und nachdem sie ihn morgen wieder zurückhaben will, musste ich ihn heute noch anschauen. Ich bin froh, dass sie ihn gehabt hat, denn als er vor einem halben Jahr im Kino gelaufen ist, war ich zwei Wochen krank.

Und meine Mutter hat gleich genörgelt: „Du immer mit deinen Videos. Hast du unlängst gelesen, dass sich eine Frau umgebracht hat, weil ihr Fernseher eingegangen ist. Sie war ständig einsam, und der Apparat war ihr einziger Ansprechpartner. Genauso abhängig wie die wirst du auch werden!“

Lieber Gott, das ist ungerecht; sie übersieht total, dass ich auch andere Interessen habe. Natürlich schaue ich gerne Videos an; aber wer hat den Recorder angeschafft: ich nicht.

Aber zurück zu der Frau. Das muss schon schlimm sein, wenn man mit gar niemanden mehr reden kann. Ich frage mich, ob sie dann nicht einmal mit dir gesprochen hat.

 

Donnerstag

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Morgengebet

Gegenstand: Skooter
Themen: Eile in der Früh, Vorteile eines Skooters, Konflikte mit Spaßverderbern

Gott, heute habe ich total verschlafen. Ich habe einfach den Wecker überhört. Auf das Frühstück werde ich auch verzichten, denn es ist schon ziemlich spät. Gott sei Dank – also: Dir sei Dank, habe ich letztes Jahr zu Weihnachten einen Skooter bekommen. Mit dem bin ich fast dreimal so schnell als zu Fuß. Und heute darf ich auf keinen Fall zu spät in die Schule kommen, denn der Lehrer in der ersten Stunde macht dann immer so ein großes Theater. Das brauche ich echt nicht.

Aber Skooter-Fahren ist toll – nicht nur wenn ich es eilig habe. Am liebsten verwende ich ihn, wenn ich zu meinen Freunden fahre, vor allem weil es hinter unserem Haus gleich ein wenig bergab geht.

Was mir aber ziemlich auf den Nerv geht, ist, wenn mir Leute bewusst in den Weg steigen. Da gibt es z.B. ein Geschwisterpaar, das nur ein paar Häuser weiter unten wohnt. Und manchmal passen sie mich richtig ab. Das finde ich urgemein. Entweder sind sie mir den Skooter neidig oder sie haben keine Freunde, zu denen sie gerne mal auf einen Sprung fahren wollen. Beides würde ich schlimm finden.

Abendgebet

Gegenstand: Tagebuch
Themen: misslungener Tag, Tagebuch zur Frustminderung

Gott, das war heute ein Tag. Alles ist schief gegangen. Das mit dem raschen In-die-Schule-Kommen mit dem Skooter hat nicht funktioniert; nach zehn Metern ist ein Rad abgebrochen. Dann hat natürlich der Lehrer ein Theater gemacht. Und die Mitschüler sind mir heute auch alle auf den Nerv gegangen: die einen haben mich sekiert, die anderen ständig Blödsinn geredet; der Höhepunkt war dann, wie einer meinen Taschenrechner ruiniert hat. Und zu Hause: nichts als Nörgelei von den Eltern, und meine Schwester hat mich ständig bei den Hausübungen gestört.

Gott, warum sind manche Tage so furchtbar? Da hat man das Gefühl, dass alles auf der Welt dagegen ist, dass es einen gibt.
Meine Freundin hat mir für solche Tage ein Tagebuch geschenkt. Sie sagt, das hilft, wenn man seinen Frust niederschreiben kann. Naja, einmal habe ich es schon probiert, und es war gar nicht so schlecht. Aber – wenn so manche Leute wissen würden, was ich da über sie hineinschreibe. Aber das darf eh keiner lesen – außer mein Schatz – und du natürlich, wenn es dich interessiert.

 

Freitag

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Morgengebet

Gegenstand: Sportschuhe
Themen: Bedeutung von Sport, Unfall von Hermann Maier, Tragik von Unglücken

Gott, heute Nachmittag haben wir zwei Stunden Turnen, und ich hätte fast vergessen, meine Sportschuhe einzupacken. Dabei bin ich ein voller Sportfreak. Ich bewege mich urgern und finde es total wichtig, seinen Körper fit zu halten. Am liebsten spiele ich Basketball, und im Winter schaue ich immer, dass ich mindestens eine Woche Snowboarden kann.

Erinnerst du dich noch, als ich mir den Bänderriss geholt habe. Das war genau an demselben Tag, an dem der Hermann Maier seinen Autounfall gehabt hat. Komisch, dieses Zusammentreffen! Aber irgendwie ist mir da schon mulmig geworden. Wenn du dir vorstellst, deine ganze Existenz hängt von deiner Gesundheit ab, und nur weil dir einer reinfährt, kann alles aus sein. Also leicht haben es die Spitzensportler auch nicht. 

Irgendwie sehe ich das jetzt überhaupt anders, wenn sie von Verunglückten berichten. Ich kann mir das viel besser vorstellen, was das heißt. Ich meine, es muss ja nicht immer gleich der Tod sein, es reicht ja schon, wenn du dich nicht mehr bewegen kannst.

Abendgebet

Gegenstand: CD-Player
Themen: laute Musik, Ereignisse rund um Bands, Leben der Stars

Gott, ich weiß nicht, aber heute waren meine Schulkollegen wie ausgewechselt – im Vergleich zu gestern. Gleich zwei haben mir eine neue CD mitgebracht. Die musste ich mir natürlich sofort am Nachmittag anhören, d.h. die eine habe ich schon in der letzten Schulstunde am Vormittag zur Hälfte gehört. Keine Angst, es war in Werken, und den Lehrer hat es nicht gestört. Zu Hause habe ich dann den CD-Player im Stiegenhaus platziert und ordentlich aufgedreht. Das geht sowieso nur, wenn einmal keiner im Haus ist.
Dann habe ich noch ein wenig im Jugendmagazin geschaut, was es Neues über meine Lieblingsbands gibt. Die einen sind gerade in Krise, denn eine kriegt ein Kind, und jetzt wissen sie nicht, ob sie zusammenbleiben werden. Die anderen werden im nächsten Monat in Deutschland auf Tour sein. Da muss ich unbedingt hin.

Aber um eines beneide ich die Stars wirklich nicht: dieses ganze Stehen im Rampenlicht. Ich meine, Honig-Lecken ist das sicher keines: immer nett schauen müssen; alle wollen Unterschriften; und dann die Paparazzi. Ich hoffe, sie haben auch noch ein bisschen Zeit fürs Privatleben.

 

Samstag

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Morgengebet

Gegenstand: Trick und Tronic, Tamagotchi, Jojo
Themen: alte Kultgegenstände, Geburtstag der Schwester, Großzügig-Sein

Gott, gestern Abend noch hat meine kleine Schwester in meinen alten Sachen herumgekramt. Das war mir alles andere als Recht. Dabei hat sie auch mein Trick und Tronic, mein Tamagotchi und mein Jojo ausgegraben. Ich habe gar nicht mehr gewusst, dass ich diese Dinge noch habe. Dann hat sie sich unbedingt eingebildet, dass ich ihr diese Dinge geben soll, weil sie damit spielen will. Ich war natürlich strikt dagegen, denn schließlich habe ich mir diese Sachen um teures Taschengeld gekauft.

Aber heute denke ich mir, ob sie jetzt herumliegen oder von ihr verwendet werden, ist ja schließlich auch egal. Also werde ich mich einmal von meiner guten Seite zeigen und ihr die Sachen schenken: am besten gleich zu ihrem Geburtstag in drei Tagen. Und neue Batterien kriegt sie auch noch welche. Außerdem habe ich eh noch nicht gewusst, was ich ihr schenken soll.

Gott, dieses Großzügig-Sein ist ein ganz ein eigenes Gefühl: Irgendwie ist es ziemlich schwer, aber irgendwie macht es einen auch viel lockerer.

Abendgebet

Gegenstand: Schminkzeug
Themen: Schuld, Situationsschilderung, Bitte um Sensibilität

Gott, ich glaube, heute muss ich dir was beichten: Meine Freundin kennst du ja; und du wirst auch wissen, dass sie ihr Schminkzeug letztes Jahr zu Weihnachten bekommen hat. Ich meine nicht das kleine, sondern das große, teure mit allem Drumherum.

Und mir Idiot ist heute Nachmittag nichts Besseres eingefallen, als mich darüber lustig zu machen. Dann habe ich noch so dumm damit herumgespielt, dass mir das Ganze fast hinuntergefallen wäre – nicht im Zimmer, sondern vom Balkon im dritten Stock. Und als ich dann – viel zu spät natürlich – mitgekriegt habe, dass ihr schon die Tränen in den Augen stehen und ich sie voll gekränkt habe, war die Stimmung nur mehr peinlich. Es hat überhaupt nichts mehr geholfen, auch keine Entschuldigungen. Ich weiß echt nicht mehr, was ich machen soll! Dabei ist sie ja gar nicht so wie andere, die sich nur anschmieren, um etwas zu verbergen, sondern sie macht sich wirklich hübsch damit. Am Schluss hat sie gesagt, morgen brauche ich sie gar nicht anzurufen.

Gott, ich hoffe, sie verzeiht mir doch noch einmal. Ich weiß nicht, warum ich das manchmal nicht kapier, wann es reicht. Kannst du mir sagen, wo man das lernen kann?

 

Sonntag

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Morgengebet

Gegenstand: Skateboard
Themen: Erwachsene am Sonntag, Freunde, Behinderung

Gott, heute ist wieder ein Tag. Ich weiß nicht, warum die Erwachsenen am Sonntag immer alles hängen lassen und so überhaupt keine Lust haben, irgendetwas Spannendes zu unternehmen. Alle sitzen nur vor dem Fernseher, schauen sich irgendwelche Videos an und versinken im Fauteuil. Für mich interessiert sich heute sicher keiner.

Wie gut, dass ich Freunde habe, mit denen sich was organisieren lässt. Heute Nachmittag werden wir skateboarden. Gar nicht weit von uns entfernt gibt es eine Halfpipe. Aber hoffentlich sind nicht zu viele dort. 

Übrigens, die Isabelle werden wir auch mitnehmen. Ich beneide sie wirklich nicht in ihrem Rollstuhl. Könntest du ihr nicht irgendwie helfen, und überhaupt allen Menschen, denen es so geht. Sie wird einfach nie erleben können, welch ein irres Gefühl es ist, mit einem Skateboard herumzukurven. Schade!

Abendgebet

Gegenstand: Handy
Themen: neue Freunde, Kontakte in handylose Zeit, Kontakt zu Gott

Gott, beim Skateboarden heute Nachmittag habe ich einige tolle Leute kennen gelernt. Mein Freund Jakob hat sie mitgenommen. Wir haben gleich unsere Handynummern ausgetauscht, denn morgen wollen wir uns wieder treffen.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie die Menschen das früher gemacht haben, so ganz ohne Handy. Es muss ja voll schwer gewesen sein, miteinander in Kontakt zu bleiben. Bin ich froh, dass die Menschen so etwas erfunden haben. Teuer ist es halt manchmal; vor allem wenn man nicht aufpasst.

Aber weißt du, was mir taugt: Dass man bei dir keine Nummer braucht; und zahlen muss man auch nichts. Außerdem ist dir die Zeit egal: Du bist einfach immer da. Das einzige, was ich komisch finde, ist: Ganz rauschfrei ist es bei dir auch nicht. Keine Ahnung, ob es an dir liegt oder an mir; und manchmal reißt es überhaupt ab. Aber, könnte man da nicht was verbessern an der Leitung?