Die Geschichte von den drei kleinen Bäumen

Es war einmal vor über 2000 Jahren in Galiläa. Da standen auf einem Hügel drei kleine Bäume und wiegten sich im Wind. Und neben Ihnen stand der große Mutterbaum, der über sie wachte. Jeder der drei kleinen Bäume hatte einen Lebenstraum. 

Der erste Baum sagte: "Wenn ich einmal groß bin, möchte ich etwas ganz besonderes werden. Ich möchte ein Bett für einen König sein. In einem riesigen Schlafzimmer stehen, mit Elfenbeineinlagen und weichen Daunendecken. Ja, dann wäre ich etwas ganz besonderes." "Was willst du einmal sein, wenn du groß bist?" fragte er den zweiten Baum. 

"Ich möchte etwas erleben. Ich möchte ein großes Schiff sein, dem der Wind in die Segeln bläst und das die ganzen Meere umsegelt. Ich möchte Menschen über das Wasser tragen und die große weite Welt sehen." "Und was ist dein Lebenstraum?" fragte er den dritten Baum. 

"Ich möchte mit meinem Wipfel auf Gott hinweisen." war die schlichte Antwort. 

Die Jahre vergingen, und die Bäume wuchsen. Jeder von ihnen wurde ein großer, stattlicher Baum. Eines Tages kamen Männer mit Äxten und besahen sich die Bäume. 

Der erste Baum erzitterte vor lauter Vorfreude. "Jetzt werde ich ein schönes Bett." dachte er sich, bevor ihn die Männer umhieben und ihn zu großen Klötzen verarbeiteten. Sie nahmen das Holz und bauten eine Krippe die in einem armseligen Stall stand. Da weinte der Baum und schluchzte: "Ein schönes Bett für einen König wollte ich sein, und nun bin ich eine Futterkrippe." Aber Gott, der seine kleinen Bäume liebte, sagte: "Paß gut auf, ich werde dir etwas zeigen." Und in diesem Moment ging die Stalltür auf, und ein junger Mann kam herein. Er hatte seine junge, hochschwangere Frau bei sich, die in diesem Stall ihr Kind gebar. Und da sie nicht wußte, wohin sie das Kind legen sollte, legte sie es in die Futterkrippe. Auf einmal ging die Türe auf, und drei wunderschön prächtige Könige kamen herein, knieten vor dem Kind nieder und huldigten ihm. Da freute sich der Baum, dass er es sein durfte, der einem kleinen Menschen Wärme geben durfte, und dass er derjenige sein durfte, der den Menschen beherbergte, dem sogar Könige huldigten. Und sein Lebenstraum hatte sich erfüllt. 

Und wieder gingen die Jahre ins Land, und die beiden anderen Bäume wuchsen und wuchsen. Da kamen eines Tages wieder die Männer, und der zweite Baum erzitterte vor Vorfreude. "Jetzt werde ich ein großes Schiff und kann um die Welt segeln." dachte er sich als ihn die Männer umhieben. Sie schlugen lange Latten aus ihm und bauten daraus ein Boot. Dieses Boot wurde von einem wenig erfolgreichen Fischer namens Petrus gekauft. Da weinte der Baum und sagte: "Ich wollte ein großes Schiff werden und nun bin ich ein Boot für einen armseligen Fischer." Aber Gott, der seine kleinen Bäume liebte, sagte: "Paß gut auf, ich werde dir etwas zeigen." Und das Schiff, dass einmal der Baum war, sah eines Tages eine große Menschenmenge auf den See von Galiläa zugehen. Sie hörten alle einem Mann zu, der von Gott sprach. Und weil die Menge immer mehr zu ihm hindrängte, sagte der Mann: "Petrus, laß mich in dein Boot." Und das Boot freute sich, dass ausgerechnet es diesen Mann tragen durfte, dem die ganzen Menschen zuhörten. Und sein Lebenstraum war in Erfüllung gegangen. 

Und wieder gingen die Jahre ins Land und der dritte Baum wuchs heran und zeigte mit seinem Wipfel auf Gott. Eines Tages kamen wieder die Männer mit ihren Äxten und der Baum erzitterte vor Angst. "Bitte laßt mich stehen. Ich will mit meinem Wipfel auf Gott zeigen." Aber die Menschen huben den Baum um und schlugen zwei Balken aus ihm, die sie zu einem Kreuz zusammennagelten. Da weinte der Baum: "Ich wollte doch mit meinem Wipfel auf Gott zeigen, und nun bin ich ein Folterwerkzeug, ein Todesinstrument." Und er vergoß bittere Tränen. Aber Gott, der seine kleinen Bäume liebte, sagte: "Paß gut auf, ich werde dir etwas zeigen." Und das Kreuz, das einmal ein Baum war, wurde von menschlichen Händen liebevoll entgegengenommen, durch Jerusalem auf den Berg Golgota getragen, wo Er an das Kreuz geschlagen wurde. Es trug nun die Last desjenigen, der die Last der Welt trug und zeigte damit auf Gott. So war auch sein Lebenstraum in Erfüllung gegangen.