Das Fest Gottes

Es war das Fest Gottes und die ganze Schöpfung gab sich Mühe, denn sie wollte Gott das schönste Geschenk machen, das man finden konnte. 

Die Eichhörnchen suchten die knackigsten Haselnüsse; die Hasen frisches Gemüse; die Vögel hatten aus dem Stehgreif ein Lied erfunden; die Blumen blühten um die Wette; die Berge und Hügel probten zusammen mit den Meeren und Flüssen ihrer schönsten Lieder und Tänze; 

alle Geschöpfe hatten so den Eindruck, sie hätten ein besonderes Geschenk für Gott vorbereitet, nur der Mensch nicht. Nichts schien ihm Gottes würdig zu sein und die Dinge, die ihm geeignet erschienen, hatten die anderen bereits ausgesucht. 

Der arme Mensch! Er hatte die ganze Welt bereist, um etwas für Gott zu finden, aber er war mit leeren Händen zurückgekehrt! Als sich das Fest näherte, wusste er nicht, was er noch tun sollte. Es waren auch Geschenke von den anderen Planeten da, denn es waren natürlich alle Geschöpfe des Universums eingeladen worden. Doch der Mensch konnte an nichts anderes denken, als an das Geschenk für Gott. 

Dann sollten die Geschenke überreicht werden und alle stellten sich in einer Reihe auf. Der Mensch stellte sich in die hinterste Ecke, denn er hatte nichts gefunden. Die ersten begannen ihre Geschenke abzugeben. Nach einiger Zeit, als nur noch etwa zwanzig andere vor ihm standen, geriet der Menschn in Panik. Als er an der Reihe war, kam ihm etwas in den Sinn, an das er vorher nicht gedacht hatte. Dann tat er das, was niemand anderes gewagt hätte. Er lief auf Gott zu, sprang auf seine Knie un d flüserte ihm etwas ins Ohr. Das Gesicht Gottes erhellte sich. Es war das glücklichste, dass man je gesehen hatte, und das je gesehen werden sollte. Der Mensch hatte Gott die vier schönsten Worte ins Ohr geflüstert: "Ich hab dich lieb!" 

Quelle: Aus einem Vortrag von Schwester Marcella Farina FMA (Theologin und Dozentin an der Päpstlichen Fakultät für Erziehungwesen), erschienen am 16.10.2003 in kath.net