Rainer Maria Rilke: Tröstung des Elia

Tröstung des Elia

Er hatte das getan und dies, den Bund
wie jenen Altar wieder aufzubauen,
zu dem sein weitgeschleudertes Vertrauen 
zurück als Feuer fiel von ferne, und
hatte er dann nicht Hunderte zerhauen,
weil sie ihm stanken mit dem Baal im Mund,
am Bache schlachtend bis zum Abendgrauen,

das mit dem Regengrau sich groß verband.
Doch als ihn von der Königin der Bote 
nach solchem Werktag antrat und bedrohte,
da lief er wie ein Irrer in das Land,

so lange, bis er unterm Ginsterstrauche 
wie weggeworfen aufbrach in Geschrei,
das in der Wüste brüllte: Gott, gebrauche
mich länger nicht. Ich bin entzwei.

Doch grade da kam ihn der Engel atzen,
mit einer Speise, die er tief empfing,
so daß er lange dann an Weideplätzen
und Wassern immer zum Gebirge ging,

zu dem der Herr um seinetwillen kam:
Im Sturme nicht und nicht im Sich-Zerspalten
der Erde, der entlang in schweren Falten
ein leeres Feuer ging, fast wie aus Scham
über des Ungeheuren ausgeruhtes
Hinstürzen zu dem angekommnen Alten,
der Ihm im sanften Sausen seines Blutes
erschreckt und zugedeckt vernahm.

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)
vgl. 1 Könige, Kap. 18 und 19